Das Strahlungsdiagramm einer Panelantenne zeigt, in welche Richtungen sie Energie konzentriert und wo die Abdeckung abfällt. Eine Panelantenne ist gerichtet: Sie besitzt eine Vorwärtskeule, begrenzte Öffnungswinkel und je nach Aufbau Neben- und Rückkeulen. Ein einzelner Gewinnwert ersetzt dieses Diagramm nicht.
Wer zunächst die Bauform einordnen möchte, findet die Grundlagen unter Was ist eine Panelantenne?. Hier geht es um das Lesen der Messkurven und die Auswahl für ein konkretes Zielgebiet.
Rechenbeispiel mit idealisierten Kurven, keine Messdaten eines Produkts. Beide Ansichten zeigen unterschiedliche Schnitte; keine davon beschreibt allein die vollständige räumliche Abdeckung.
Ein 2D-Plot ist nur ein Schnitt
Antennen strahlen dreidimensional. Datenblätter zeigen häufig zwei senkrechte Schnitte. Azimut beschreibt einen horizontalen, Elevation einen vertikalen Schnitt im angegebenen Koordinatensystem. E- und H-Ebene beziehen sich dagegen auf die Feldorientierung einer linear polarisierten Antenne und die Richtung maximaler Abstrahlung.
E-Ebene bedeutet deshalb nicht automatisch vertikal und H-Ebene nicht automatisch horizontal. Besonders bei ±45°-Polarisation oder mehreren Ports müssen Sie die Achsendarstellung und Portzuordnung mitlesen. Zwei Schnitte helfen bei der Auswahl, ersetzen jedoch kein vollständiges 3D-Muster.
Die wichtigsten Elemente
Hauptkeule
Sie zeigt die gewünschte Versorgungsrichtung. Bei einer korrekt montierten Panelantenne weist die Hauptkeule aus der Frontfläche heraus.
Nebenkeulen und Nullstellen
Nebenkeulen versorgen unerwünschte Richtungen oder nehmen dort Störungen auf. Nullstellen sind Winkel mit stark abgesenktem Pegel. Beide sind für reale Standorte wichtig, auch wenn der Peak gut aussieht.
Rückkeule und Vorder-Rück-Verhältnis
Das Vorder-Rück-Verhältnis vergleicht den Pegel in Hauptrichtung mit einem rückwärtigen Pegel. Lesen Sie die Definition im Datenblatt: Gemeint sein kann die genau gegenüberliegende Richtung oder ein definierter rückwärtiger Winkelbereich. Der Wert sagt nicht aus, dass jede Nebenkeule ebenso stark unterdrückt wird.
3-dB-Öffnungswinkel
Der horizontale oder vertikale Halbwertswinkel liegt zwischen den beiden Punkten der Hauptkeule, an denen die Leistung gegenüber dem Maximum um 3 dB abgefallen ist. Dort liegt ungefähr die halbe Leistungsdichte des Maximums vor. Der Winkel ist weder eine scharfe Empfangsgrenze noch eine garantierte Versorgungszone.
Beispiel: 60° Öffnungswinkel richtig ablesen
Liegt das Maximum bei 0° und schneiden die beiden Flanken die −3-dB-Linie bei −30° und +30°, beträgt der Halbwertswinkel 60°. Zeigt ein anderer Datensatz einen anderen Wert, prüfen Sie zuerst Frequenz, Port, Polarisation und Schnittebene. Sie dürfen die günstigen Werte verschiedener Messbedingungen nicht zu einer gemeinsamen Spezifikation zusammensetzen.

Die −3-dB-Punkte bestimmen den Halbwertswinkel. Außerhalb davon endet die Abstrahlung nicht abrupt.
Gain und Beamwidth gemeinsam lesen
Bei einer passiven Antenne entsteht keine zusätzliche Sendeleistung. Ein höherer Gewinn kann aus stärkerer räumlicher Konzentration, geringerem Verlust oder beidem entstehen. Vergleichen Sie deshalb nicht nur den Spitzenwert: Außerhalb seiner Hauptkeule kann ein Panel mit höherem Peak schwächer sein. Der Leitfaden zum Antennengewinn erklärt die zugrunde liegenden Größen.
Normierte Diagramme
Bei einer normierten Darstellung ist der höchste Punkt 0 dB. Sie zeigt die Form, aber nicht den absoluten Gewinn. Prüfen Sie, ob der Plot absolut oder normiert ist und für welche Frequenz, Polarisation und Antennenport er gilt.
Werden mehrere Kurven jeweils auf ihren eigenen Spitzenwert normiert, kann man daraus nicht ablesen, welche Frequenz den höchsten absoluten Gewinn erreicht. Dafür benötigen Sie zusätzliche absolute Gewinnwerte unter denselben Messbedingungen. Bei dual polarisierten Antennen gehören auch Angaben zur Ko- und Kreuzpolarisation dazu.
Panel, Sektor oder Rundstrahler
Ein Panel ist eine Bauform; auch eine Sektorantenne kann als Panel aufgebaut sein. Entscheidend sind die gemessenen Winkel und das Muster, nicht allein der Produktname. Ein Rundstrahler deckt den Azimut näherungsweise rundum ab; sein vertikales Muster kann trotzdem schmal sein. Für andere Abdeckungsaufgaben helfen der Vergleich von Panel- und Yagi-Antennen und die Auswahlhilfe für Rundstrahlantennen.
Was die Montage verändert
Montagerichtung, Neigung und Höhe legen fest, wohin die Hauptkeule zeigt. Metallteile in unmittelbarer Nähe können das Muster verändern; Hindernisse und Reflexionen verändern zusätzlich die Ausbreitung am Standort. Ein Freifeld-Datenblatt allein beschreibt deshalb keine reale Hallen- oder Straßenversorgung.
Dokumentieren Sie die Montageorientierung und prüfen Sie die Versorgung an den tatsächlich benötigten Punkten. Bei MIMO-Systemen müssen die verwendeten Ports und deren Polarisation zur Gerätebelegung passen.
Auswahlfolge
- Zielgebiet in Azimut und Elevation skizzieren.
- Benötigten horizontalen und vertikalen Öffnungswinkel festlegen.
- Frequenz, Polarisation und MIMO-Portzahl bestimmen.
- Gewinn, Vorder-Rück-Verhältnis und Nebenkeulen prüfen.
- Montagehöhe, Neigung und Hindernisse einplanen.
- Diagramme pro relevantem Band anfordern.
Fordern Sie zu jedem Diagramm Frequenz, Port, Polarisation, Koordinatensystem und Messaufbau an. Für die Planung helfen absolute Gewinnwerte, horizontale und vertikale Schnitte sowie Angaben zu Nebenkeulen und rückwärtiger Abstrahlung. Wenn die Anwendung es erfordert, sollten auch 3D-Daten verfügbar sein.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen E- und H-Ebene?
Bei einer linear polarisierten Antenne enthält die E-Ebene den elektrischen Feldvektor und die Richtung maximaler Abstrahlung; die H-Ebene entsprechend den magnetischen Feldvektor. Die Zuordnung zur horizontalen oder vertikalen Ansicht hängt von der Einbauorientierung ab.
Was sagt der Öffnungswinkel einer Antenne aus?
Er beschreibt die Breite der Hauptkeule bei einem definierten Pegelabfall, meistens 3 dB. Er hilft, die nutzbare Versorgungszone und erforderliche Ausrichtung abzuschätzen.
Kann ich aus 60° Öffnungswinkel die Reichweite berechnen?
Nein. Der Winkel beschreibt eine Abstrahlform. Für die Reichweite benötigen Sie zusätzlich unter anderem Sendeleistung, Verluste, Empfängerempfindlichkeit, Montage und Ausbreitungsbedingungen.
Diagramme für Ihr Projekt vergleichen
Beschreiben Sie Frequenzbänder, Zielgebiet, Montagehöhe, Neigung und die benötigten Ports in Ihrer technischen Anfrage. Damit lassen sich die passenden Diagramme und Antennenvarianten vergleichen, ohne sich auf einen einzelnen dBi-Wert zu verlassen.
Technische Quellen
- Antenna Theory: E-Ebene – Definition über Feldorientierung und Hauptstrahlrichtung.
- Antenna Theory: H-Ebene – komplementäre Schnittebene.
- Rohde & Schwarz: Antenna Basics – Richtdiagramme, Hauptkeule und Halbwertswinkel.
Produktausführungen vergleichen
Vergleichen Sie das genaue Modell und seine veröffentlichten Daten, bevor Sie Muster oder ein Serienangebot anfragen. Änderungen an Stecker oder Kabel müssen für das gewählte Modell bestätigt werden.
| Modell | Frequenz | Gewinn | Anschluss | Datenblatt |
|---|---|---|---|---|
| GL-DY1727S46513 | 1710-2700 | 13 | 4×7/16DIN Female | |
| GL-DY2327S6515 | 2300-2700 | 15 dBi | — | |
| GL-DY2425V6517 | 2400-2500 | 17 | — | Modell ansehen |
| GL-DY3338S6515 | 3300-3800 | 15 dBi | — | |
| GL-DY7040VH7 | 698-960 / 1710-2700 / 3400-4000 | 6 / 7 / 8 | — |
Die Werte stammen aus den jeweiligen Produktdaten. Fehlt eine Einheit oder ein Wert, prüfen Sie vor der Festlegung des Bauteils das Datenblatt.
Vor der Bestellung
- Gleichen Sie alle benötigten Frequenzbänder ab; die Bezeichnung einer Produktfamilie allein reicht nicht aus.
- Prüfen Sie Steckertyp und Kontaktgeschlecht, Kabelführung, Bauraum und Geräteschnittstelle.
- Entnehmen Sie Prüfbedingungen und Einbaugrenzen dem Datenblatt des genauen Modells.
Standardmodell auswählen oder Änderung anfragen
Nennen Sie für eine Standardausführung Modell und Stückzahl. Beschreiben Sie bei Änderungen Frequenzband, Bauraum, Kabellänge und Stecker. Musterverfügbarkeit, Mindestmenge und Lieferbedingungen werden im Angebot bestätigt.
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