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Antennenpolarisation erklärt: Warum die Ausrichtung entscheidet

  • Technisches Team von Rftech

  • Updated on 21 Aug 2026

  • 14 Min. Lesezeit

Lineare und zirkulare Antennenpolarisation zwischen zwei ausgerichteten Antennen

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Viele „schwache Signale” sind gar keine schwachen Signale. Sie sind eine Polarisationsfehlanpassung. Die Leistung ist da, das Band stimmt, aber die Empfangsantenne liegt nicht in derselben Feldrichtung wie die Sendeantenne. Ein Teil der Verbindung verschwindet dann einfach – und selbst gute Hardware bleibt unter ihren Möglichkeiten.

Lineare und zirkulare Antennenpolarisation im Vergleich

Antennenpolarisation ist die Ausrichtung des elektrischen Feldes, das eine Antenne abstrahlt – also die Frage, wie die Welle im Raum liegt. Üblich sind linear (vertikal oder horizontal), schräg (meist ±45°) und zirkular (rechts- oder linksdrehend). Die Definition ist der einfache Teil. Über die Verbindung entscheidet eine viel schlichtere Frage: Haben beide Enden dieselbe Polarisation?

Kurzantwort

  • Erst anpassen, dann über Gewinn reden. Terrestrischer Mobilfunk, IoT und Punkt-zu-Punkt-Strecken arbeiten fast immer linear, meist vertikal. Dann gehört auf beide Seiten vertikal.
  • GNSS braucht RHCP. GPS L1 (1575,42 MHz) wird rechtsdrehend zirkular gesendet – das ist in der Signalspezifikation festgeschrieben, nicht Konvention.
  • MIMO nutzt ±45° Dual-Slant. Zwei orthogonale lineare Pfade in einem Gehäuse halten die Datenströme getrennt.
  • Der Verlust folgt cos²θ: rund 3 dB bei 45°, rund 6 dB bei 60°, theoretisch ein Nullpunkt bei 90° (in der Praxis 20–30 dB).
  • Linear auf zirkular kostet immer etwa 3 dB. Dieser Verlust lässt sich durch Drehen nicht wegoptimieren.

Wenn Sie vor der Installation nur eine Sache prüfen: die endgültige Montagerichtung.

Was ist Antennenpolarisation?

Polarisation ist die Richtung, in der das elektrische Feld der abgestrahlten Welle schwingt. Bleibt das Feld in einer Ebene, ist die Antenne linear polarisiert. Dreht es sich während der Ausbreitung, ist sie zirkular polarisiert. Elliptische Polarisation liegt dazwischen. Für Industrie, IoT, GNSS und Mobilfunk ist die praktische Einteilung: linear, schräg, zirkular.

Lineare Polarisation

Vertikale und horizontale lineare Polarisation im Vergleich auf einem HF-Messplatz

Linear heißt: Das Feld behält eine feste Richtung, üblicherweise vertikal oder horizontal. Die meisten terrestrischen Antennen sind vertikal. Die GL7027V6 Fiberglas-Rundstrahlantenne und die GL-DY7038V11 LPDA von RFTECH sind beide vertikal polarisiert und passen damit direkt zu vertikal polarisierten Funkgeräten. Manche Antennen lassen die Wahl: Die GL-DYU4YG3S UHF-Yagi kann vertikal oder horizontal montiert werden. Die Regel bleibt gleich – beide Enden müssen zusammenpassen.

Zirkulare Polarisation

Zirkular heißt: Das Feld dreht sich während der Ausbreitung, entweder rechtsdrehend (RHCP) oder linksdrehend (LHCP). Weil es rotiert, verzeiht es Änderungen der Ausrichtung zwischen den beiden Enden. Genau deshalb arbeiten GNSS-Antennen zirkular: Satelliten wandern über den Himmel, und der Empfänger kann in jedem Winkel stehen. Die GL-DY225D GNSS-Antenne von RFTECH ist bei 1575,42 MHz (GPS L1) RHCP – aus exakt diesem Grund.

Elliptisch, Axialverhältnis und was daraus für die Trennung folgt

Keine reale zirkular polarisierte Antenne erzeugt einen perfekten Kreis. Der Feldvektor beschreibt eine Ellipse. Das Verhältnis von Haupt- zu Nebenachse ist das Axialverhältnis (Axial Ratio, AR) und beschreibt die Reinheit der Polarisation. Aus ihm ergibt sich direkt die Kreuzpolarisationsentkopplung (XPD) – also wie stark die Antenne die falsche Drehrichtung unterdrückt:

Polarisationsellipse, Axialverhältnis und die daraus abgeleitete XPD

Die Umrechnung ist in ETSI TR 102 031-2 dokumentiert: XPD = 20 · log₁₀((r + 1)/(r − 1)), wobei r das Axialverhältnis als linearer Zahlenwert ist (ETSI TR 102 031-2, Tabelle 1).

Axialverhältnis XPD Was das bedeutet
0,17 dB ≈ 40 dB Nahezu ideale Zirkularität, Referenzqualität
0,98 dB ≈ 25 dB Gute Patch-Antenne im Zenit
3,0 dB ≈ 6 dB Grenzwert für „noch zirkular”; kaum Unterdrückung der Gegendrehrichtung
5,1 dB ≈ 11 dB Typisch bei niedriger Elevation – Mehrwegesignale werden schlecht abgewiesen

Der Zusammenhang ist stark nichtlinear: Verschlechtert sich das Axialverhältnis von 1 dB auf 3 dB, bricht die Entkopplung um rund 19 dB ein. Das erklärt ein Verhalten, das in Datenblättern selten auftaucht: Eine GNSS-Antenne, die im Zenit sehr sauber ist, kann bei 5–10° Elevation kaum noch zwischen dem direkten Satellitensignal und einer am Boden reflektierten, in der Drehrichtung gekippten Kopie unterscheiden. Deshalb sind flach einfallende Satelliten die typische Fehlerquelle bei der Positionsstabilität – nicht der Gewinn der Antenne.

Grenze: Die Werte in der Tabelle sind rechnerisch aus der Formel abgeleitet, keine Messwerte einer bestimmten Antenne. Für ein konkretes Bauteil gilt das Axialverhältnis über Winkel und Frequenz aus dessen Datenblatt.

Polarisation nach Antennentyp

An konkreten Bauteilen wird es am schnellsten klar:

Polarisation Was sie ist RFTECH-Beispiel
Vertikal linear Feld fest, vertikal GL7027V6 Omni; GL-DY7038V11 LPDA
Horizontal / wählbar Feld fest, horizontal (oder V/H wählbar) GL-DYU4YG3S Yagi (V oder H)
±45° Dual-Slant Zwei schräge lineare Pfade in einem Gehäuse, für MIMO GL-DY7040S4707 (4 Ports); GL1727D-15 Panel
Zirkular (RHCP) Feld rotiert, rechtsdrehend GL-DY225D GNSS (1575,42 MHz)

Welche Polarisation sollten Sie wählen?

Entscheidend ist die Anwendung, nicht die Überschrift im Datenblatt.

Entscheidungsweg zur Auswahl der Antennenpolarisation nach Anwendung
Anwendung / Bedingung Zu spezifizierende Polarisation Warum RFTECH-Beispiel
Mobilfunk- / IoT-Infrastruktur, feste Installation Vertikal linear Die Netzseite ist vertikal; entscheidend ist die Übereinstimmung GL7027V6 Omni
Gerichtete Punkt-zu-Punkt-Strecke Linear, gleiche Ausrichtung auf beiden Seiten Die Ausrichtung ist kontrollierbar, also den verlustärmeren linearen Pfad nutzen GL-DY7038V11 LPDA; GL-DYU4YG3S Yagi (V oder H)
GNSS- / Satellitenempfang, bewegt oder beliebige Lage RHCP Die Satellitengeometrie ändert sich ständig; GNSS sendet RHCP GL-DY225D (1575,42 MHz)
MIMO-Router, Gateway oder Sektor, mehrere Datenströme ±45° Dual-Slant Orthogonale Pfade liefern die Port-zu-Port-Entkopplung für getrennte Streams GL-DY7040S4707 (4 Ports); GL1727D-15 Panel
Kabelführung oder Halterung erzwingt eine Drehung Vor dem Festlegen erneut prüfen Eine lineare Antenne zu drehen verändert die Polarisationsausrichtung Antenne wählen, die in der benötigten Lage montierbar ist

Wie viel kostet eine Fehlanpassung?

Wenn das Band passt, die Polarisation aber nicht, sinkt die Effizienz schnell. Die Energie ist weiterhin in der Luft – der Empfänger ist nur nicht darauf ausgerichtet, sie aufzunehmen. Für zwei lineare Antennen gilt theoretisch der Kosinus zum Quadrat des Winkels zwischen ihnen:

Winkel zwischen den linearen Antennen Theoretischer Verlust (20·log₁₀|cos θ|) Was das auf der Strecke bedeutet
0 dB Ausgerichtet – der Auslegungsfall
15° ≈ 0,3 dB Kleine Montagetoleranz, meist akzeptabel
30° ≈ 1,25 dB Am Zellrand merkbar
45° ≈ 3 dB Halbe Empfangsleistung
60° ≈ 6 dB Etwa drei Viertel der Leistung verloren
90° Theoretisch unendlich; praktisch 20–30 dB Vollständig kreuzpolarisiert – nahe an einer toten Strecke
Linear auf zirkular (jeder Winkel) ≈ 3 dB Fester Aufschlag, wird durch Drehen nicht besser

Bedingungen: Fernfeld, gleiches Frequenzband, ideale Einwegausbreitung, Antennen ohne Kreuzpolarisationsanteil.

Grenze: Reale Installationen erreichen keine unendliche Entkopplung. Reflexionen an Boden, Wänden, Fahrzeugen und Metallstrukturen drehen einen Teil des Feldes. Warum bei 90° also 20–30 dB und nicht mehr? Weil zwei unabhängige Grenzen wirken – die Kreuzpolarisationsentkopplung der Antenne selbst und die Depolarisation auf dem Ausbreitungsweg. Beide addieren sich leistungsmäßig:

Gesamtentkopplung ≈ −10 · log₁₀(10^(−XPD_Antenne/10) + 10^(−XPD_Pfad/10)) dB

Der schlechtere Wert dominiert. Typische Antennenwerte liegen bei 15–25 dB für Patch-Antennen und 30–40 dB für Hornantennen; damit ist die Obergrenze der erreichbaren Trennung meist von der Antenne gesetzt, nicht von der Physik der Welle. Das ist eine technische Abschätzung, kein Messergebnis für Ihren Standort. Der Polarisationsverlust kommt außerdem zusätzlich zu Kabelverlust, Fehlanpassung und Richtdiagramm-Abweichung.

Vor Ort zeigt sich das als niedriger Empfangspegel, instabile Verbindungen, schlechter Durchsatz und schwache Versorgung am Zellrand. Teams suchen es oft als Leistungsproblem und verlieren Tage. Deshalb gehört die Ausrichtung in die Auslegung – nicht in die Installationsnotizen.

Was Normen und Signalspezifikationen konkret festlegen

Polarisation ist an vielen Stellen keine Designfreiheit, sondern eine Vorgabe:

Festlegung Inhalt Quelle
GPS-Signal Das gesendete Signal muss RHCP sein; die L1-Elliptizität darf innerhalb ±13,8° vom Nadir nicht schlechter als 1,8 dB sein, L2 nicht schlechter als 2,2 dB IS-GPS-200N, Abschnitt 3.3.1.9
GPS-Empfangsbezug Die minimale Empfangsleistung für terrestrische Nutzer ist am Ausgang einer 3-dBi-linear polarisierten Antenne definiert – für Nutzer im Orbit dagegen an einer idealen RHCP-Antenne mit 0 dB Axialverhältnis IS-GPS-800J, Abschnitt 3.2.1.9
Galileo-Signal E1, E5 und E6 werden permanent rechtsdrehend zirkular polarisiert gesendet ESA Navipedia, Galileo Signal Plan
Richtfunkantennen (EU) Die Kreuzpolarisationsentkopplung (XPD) gilt als wesentlicher Parameter nach Artikel 3.2 der Funkanlagenrichtlinie; als Mindestwert gilt XPD-Klasse 1 ETSI EN 302 217-2, Abschnitt 4.4.1.4
Regendämpfung Die Koeffizienten k und α werden getrennt für horizontale und vertikale Polarisation angegeben; zirkulare Polarisation wird mit einem Polarisationswinkel τ = 45° gerechnet ITU-R P.838
Ionosphäre Der entlang des Pfades aufgesammelte Gesamtelektronengehalt (TEC) dreht die Polarisationsebene linear polarisierter Wellen (Faraday-Rotation) ITU-R P.531

Besonders aufschlussreich ist der zweite Eintrag: Die GPS-Spezifikation rechnet für Nutzer am Boden bewusst mit einer linear polarisierten Referenzantenne. Der Übergang von zirkular auf linear ist dort also kein Auslegungsfehler, sondern bereits im garantierten Mindestpegel enthalten. Wer für einen GNSS-Empfänger dennoch eine RHCP-Antenne wählt, tut das nicht wegen der 3 dB, sondern wegen der Unterdrückung reflektierter Signale und der Toleranz gegenüber der Lage des Geräts.

Lineare Polarisation in gängigen Funksystemen

Ausrichtung einer Funkstrecke mit Risiko der Polarisationsfehlanpassung zwischen zwei Antennen

Die meisten terrestrischen Strecken arbeiten linear, weil die Installation ausreichend fest ist, um die Ausrichtung zu kontrollieren. Sind beide Enden vertikal ausgelegt und wird eines horizontal gedreht, entsteht eine massive Fehlanpassung. Am wichtigsten ist das in vier Fällen: gerichtete Punkt-zu-Punkt-Strecken, sektorisierte Infrastruktur, IoT-Gateways mit festen Endgeräten und Mehrantennenaufbauten, bei denen die Elementlage die Entkopplung bestimmt. Prüfen Sie beim Antennenvergleich deshalb die geplante Montagerichtung genauso wie Gewinn und Band.

Warum Regen die Wahl zwischen vertikal und horizontal beeinflusst

Ein Punkt, der in Polarisationsartikeln fast immer fehlt: Regendämpfung ist polarisationsabhängig. ITU-R P.838 gibt die Koeffizienten k und α getrennt für horizontale und vertikale Polarisation an, und die horizontalen Werte sind durchgängig größer – bei 4 GHz etwa k_H = 0,000650 gegenüber k_V = 0,000591. Der Grund liegt in der Physik der Regentropfen: Fallende Tropfen sind horizontal abgeflacht und koppeln deshalb stärker an ein horizontal liegendes Feld.

Für Strecken im Ku- und Ka-Band bedeutet das einen systematischen, kleinen Vorteil für vertikale Polarisation bei gleicher Streckenlänge – und für zirkulare Polarisation einen Wert dazwischen, weil sie mit τ = 45° gerechnet wird. Der Effekt ist bei wenigen GHz vernachlässigbar und wächst mit der Frequenz. Zusätzlich verschlechtert Regen die Kreuzpolarisationsentkopplung selbst; ITU-R P.618 beschreibt ein Verfahren, XPD-Statistiken aus der Regendämpfung derselben Strecke abzuleiten, und nennt dabei auch den Beitrag von Eiskristallen. Wer eine dual polarisierte Strecke oberhalb von etwa 10 GHz plant, sollte die XPD-Reserve deshalb als wetterabhängige Größe behandeln, nicht als konstante Antenneneigenschaft.

Zirkulare Polarisation: wo sie wirklich hilft

Zirkulare Polarisation kommt in Satelliten- und GNSS-Anwendungen aus einem Grund vor: Die relative Ausrichtung der beiden Enden ändert sich ständig, und ein rotierendes Feld verträgt das besser als ein festes lineares. Zirkular ist aber nicht automatisch besser. Ohne Anwendungsgrund verkompliziert es Design, Beschaffung und Anpassung.

Faraday-Rotation – der physikalische Grund für RHCP

Es gibt einen zweiten, härteren Grund als die wechselnde Satellitengeometrie. Beim Durchgang durch die Ionosphäre dreht sich die Polarisationsebene einer linear polarisierten Welle. Dieser Effekt heißt Faraday-Rotation; laut ITU-R P.531 hängt der Drehwinkel vom Gesamtelektronengehalt (TEC) entlang des Pfades, der Magnetfeldstärke und der Frequenz ab – und er fällt mit dem Quadrat der Frequenz. Bei L-Band-Radar mit synthetischer Apertur wurden Einwegdrehungen von über 25° dokumentiert (Meyer & Nicoll, IEEE TGRS 2008); bei 435 MHz ist der Effekt entsprechend stärker.

Daraus ergibt sich eine klare Trennlinie, die viele Auswahltabellen nur als Faustregel nennen: Eine linear polarisierte Welle, die die Ionosphäre durchquert, kommt mit einem unvorhersehbaren, tages- und sonnenaktivitätsabhängigen Drehwinkel an – die Fehlanpassung wäre also nicht konstant, sondern schwankend. Eine zirkular polarisierte Welle ist davon unabhängig, weil Faraday-Rotation die Drehrichtung nicht ändert. Terrestrische Strecken durchqueren die Ionosphäre nicht und liegen zudem meist bei höheren Frequenzen – deshalb bleibt dort linear die richtige Wahl. Nicht die Bewegung des Satelliten allein erzwingt RHCP, sondern die Kombination aus wechselnder Geometrie und ionosphärischer Drehung.

Was ist eine Polarisationsfehlanpassung?

Eine Polarisationsfehlanpassung bedeutet, dass die Empfangsantenne nicht auf das Feld des eintreffenden Signals ausgerichtet ist. Der klassische Fall: eine Antenne vertikal, die andere horizontal in einer linearen Strecke. Alles andere kann korrekt aussehen, und die Verbindung bleibt trotzdem schwach. Meist schleicht sich das über einen von vier Wegen ein:

  • Eine Antenne wurde falsch herum montiert.
  • Elemente eines Mehrantennensystems sind unterschiedlich ausgerichtet.
  • Ein Team geht davon aus, „jede Ausrichtung funktioniert”.
  • Geräte wurden versetzt, ohne die Ausrichtung erneut zu prüfen.

So prüfen Sie, ob die Polarisation wirklich das Problem ist

Am Signalbalken sieht eine Polarisationsfehlanpassung genauso aus wie ein defektes Kabel oder eine verstimmte Antenne. Trennen Sie die Ursachen in dieser Reihenfolge:

  1. S11/VSWR am Antennenanschluss messen. Eine Polarisationsfehlanpassung verändert das VSWR nicht. Ist das VSWR schlecht, liegt ein Anpassungs-, Kabel- oder Steckerproblem vor.
  2. Ausgangswerte notieren: RSSI/SNR und, wenn das Funkmodul es liefert, Durchsatz oder Paketverlust – ohne sonst etwas zu verändern.
  3. Nur die Empfangsantenne um 90° drehen und RSSI erneut lesen. Ein Sprung von mehreren dB nach oben oder unten deutet auf Polarisation; kaum eine Änderung deutet auf etwas anderes.
  4. Die spezifizierte Polarisation der Gegenseite aus dem Datenblatt bestätigen, nicht aus dem optischen Eindruck am Mast.
  5. Bei GNSS statt RSSI die TTFF und die Zahl der sichtbaren Satelliten prüfen und bestätigen, dass die Antenne RHCP ist.
  6. Erst danach Kabelverlust, Steckertyp, Massefläche und Gehäuseeinflüsse untersuchen.

Grenze: Schritt 3 setzt voraus, dass die Strecke während des Tests stabil ist. Bei schwankenden oder mobilen Verbindungen die Messung mehrfach wiederholen, bevor Sie eine Schlussfolgerung ziehen.

Polarisation in MIMO und modernen Systemen

In MIMO ist Polarisation kein Detail, sondern Teil der Funktionsweise. Dual-Slant-Designs mit ±45° nutzen bewusst zwei orthogonale lineare Pfade, damit zwei Datenströme eine Antenne teilen und trotzdem getrennt bleiben. Die GL-DY7040S4707 von RFTECH zeigt das deutlich: eine 4-Port-Antenne mit ±45° für 698–960 / 1710–2700 / 3400–4000 MHz und einem Vor-Rück-Verhältnis von ≥ 20 dB. Die orthogonalen Polarisationen halten die vier Streams auseinander. Den größeren Zusammenhang beschreibt MIMO und Beamforming in 5G-Antennen. Beim Vergleich von MIMO-Antennenoptionen sollten Sie Elementlage, Portanzahl und die tatsächliche Montagerichtung des Geräts prüfen.

Typische Installationsfehler

Antenne drehen, ohne die Ausrichtung zu prüfen

Monteure drehen eine Antenne, damit das Kabel reicht oder die Halterung passt. Dass sie damit auch die Polarisationsausrichtung geändert haben, ist selten bewusst.

Annahmen zwischen Teams

Mechanik, HF und Feldservice gehen jeweils davon aus, jemand anders habe die Ausrichtung bestätigt. In dieser Lücke entsteht der Großteil der vermeidbaren Fehlanpassungen.

Antennen als beliebig austauschbar behandeln

Zwei Antennen im gleichen Band können sich sehr unterschiedlich verhalten, wenn ihre Polarisation anders gedacht ist. Eine vertikale Rundstrahlantenne und ein ±45°-Panel sind kein Drop-in-Ersatz.

Checkliste vor der Inbetriebnahme

  1. Welche Polarisation nutzt die Sendeseite?
  2. Behält die Empfangsseite eine feste Ausrichtung?
  3. Ist das Gerät statisch oder in Bewegung?
  4. Profitiert die Anwendung von Diversity oder kreuzpolarisierten (±45°) Elementen?
  5. Kennt das Installationsteam die exakte endgültige Ausrichtung?

Ist eine Antwort unklar, legen Sie die Antennenkonfiguration noch nicht fest. Schreiben Sie die endgültige Ausrichtung in die Installationszeichnung und in die Fotocheckliste für den Standort – nicht nur in eine E-Mail. Die meisten vermeidbaren Fehlanpassungen entstehen zwischen der HF-Entscheidung und der Person mit der Halterung in der Hand.

Polarisation als Anforderung erster Ordnung

Polarisation ist die Ausrichtung des abgestrahlten Feldes – und die Frage, ob beide Enden zueinander passen. Behandeln Sie sie wie Band, Gewinn und Gehäuse: als Anforderung erster Ordnung. Bereits 45° Abweichung kosten rund 3 dB, eine vollständige Kreuzung kann die Strecke unbrauchbar machen. Vertikal auf vertikal, RHCP auf RHCP bei GNSS, ±45° Dual-Slant für MIMO.

Für die Zuordnung von Polarisation zu Produkt oder Einsatzfall starten Sie bei der passenden Anwendungsübersicht oder fragen Sie ein Angebot an. Damit die Antwort in einem Durchgang brauchbar ist, senden Sie bitte:

  • Frequenzband(er) und eingesetztes Funkmodul;
  • Polarisation der Gegenseite (oder des Netzes, mit dem Sie verbinden);
  • Montageort, Ausrichtung, verfügbaren Platz und ob sich das Gerät bewegt;
  • Steckertyp sowie Kabeltyp und -länge;
  • Umgebung (innen, außen, Fahrzeug, Metallstruktur) und IP-Anforderung;
  • gemessene S11/VSWR und RSSI, wenn Sie eine bestehende Strecke analysieren.

Häufige Fragen

Was bedeutet Antennenpolarisation?

Sie ist die Ausrichtung des elektrischen Feldes, das die Antenne abstrahlt. Linear hält das Feld in einer Ebene (vertikal oder horizontal), schräg nutzt ein gekipptes lineares Feld (oft ±45°), zirkular dreht das Feld (rechts- oder linksdrehend). Beide Enden einer Strecke sollten dieselbe Polarisation haben.

Was passiert, wenn die Polarisationen nicht übereinstimmen?

Sie verlieren Signal. 45° Versatz zwischen zwei linearen Antennen kosten etwa 3 dB, also die halbe Leistung. Eine vollständige 90°-Kreuzung kann 20 dB und mehr kosten, linear auf zirkular rund 3 dB. Die Strecke wirkt schwach, obwohl Sendeleistung und Band stimmen.

Warum sind GNSS-/GPS-Antennen zirkular polarisiert?

Weil die Signalspezifikation es so festlegt: Nach IS-GPS-200 muss das GPS-Signal rechtsdrehend zirkular polarisiert sein, und Galileo sendet E1, E5 und E6 ebenfalls RHCP. Dazu kommt, dass sich die Ausrichtung zwischen Satellit und Empfänger ständig ändert und die Ionosphäre die Ebene linear polarisierter Wellen dreht. Eine RHCP-Antenne wie die GL-DY225D (1575,42 MHz) verträgt das deutlich besser als eine feste lineare.

Was ist ±45°- (Dual-Slant-) Polarisation?

Zwei lineare Elemente, um +45° und −45° gekippt, in einer Antenne. Weil die beiden Pfade orthogonal sind, bleiben sie entkoppelt und können getrennte MIMO-Datenströme tragen. Deshalb arbeiten MIMO-Antennen wie die GL-DY7040S4707 mit ±45°.

Was sagt das Axialverhältnis über eine zirkular polarisierte Antenne aus?

Es beschreibt, wie kreisförmig die Polarisation wirklich ist, und lässt sich über XPD = 20 · log₁₀((r + 1)/(r − 1)) in eine Entkopplung umrechnen. Rund 1 dB Axialverhältnis entsprechen etwa 25 dB XPD, 3 dB nur noch etwa 6 dB. Ein bei niedriger Elevation schlechtes Axialverhältnis ist der Grund, warum flach einfallende Satellitensignale anfälliger für Mehrwegeempfang sind.

Wie erkenne ich, ob eine schwache Strecke ein Polarisations- oder ein Kabelproblem hat?

Zuerst S11/VSWR prüfen – eine Polarisationsfehlanpassung verschlechtert das VSWR nicht, ein schlechtes VSWR deutet also auf Anpassung, Kabel oder Stecker. Ist das VSWR in Ordnung, eine Antenne um 90° drehen und RSSI/SNR beobachten: mehrere dB Änderung sprechen für Polarisation, kaum eine Änderung für Kabelverlust, Massefläche oder Gehäuseeinflüsse.

Vertikal oder horizontal – was soll ich nehmen?

Das, was die Gegenseite nutzt; entscheidend ist die Übereinstimmung. Die meisten Mobilfunk- und IoT-Infrastrukturen sind vertikal, deshalb sind vertikale Antennen wie die GL7027V6 oder GL-DY7038V11 der übliche Standard. Manche Antennen (z. B. die GL-DYU4YG3S Yagi) lassen sich in beide Richtungen montieren, um zum bestehenden System zu passen.

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